Dr. med. Cecilia Bonhag - Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Angststörungen

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters. Grundsätzlich stellen Gefühle von Angst oder Furcht eine normale Reaktion eines Menschen auf eine Gefahr dar, wobei sich dieses Gefühl auch im Verhalten des Betreffenden äußert und von körperlichen Erscheinungen wie z.B. Herzklopfen, Schwitzen usw. begleitet wird.
Die Art der Ängste ändert sich in der Regel im Laufe der Entwicklung eines Menschen. So fürchten sich Säuglinge und Kleinkinder z.B. vor Fremden oder Lärm, während Kinder im Kindergartenalter oft Furcht vor Tieren, Dunkelheit, Gewitter, Fantasiegestalten wie Monster u.ä. und dem Alleinsein haben. Bei 7-10-Jährigen kommt es vermehrt zu Ängsten, die im Zusammenhang mit der Schule stehen, wie Angst zu versagen. Auch fürchten sich diese zunehmend auch vor Krankheit, Tod oder sozialen Anforderungen.
Ängste sind bei Kindern weit verbreitet, daher ist es wichtig zu klären, ob diese Ängste als krankhaft einzustufen sind, d.h. in übermäßigem Ausmaß vorhanden sind und das Kind stark beeinträchtigen.
Je nach Inhalt und Ausmaß unterscheidet man u.a. folgende Arten von Angststörung im Kindes- und Jugendalter:

Trennungsangst:

Hierunter versteht man eine übermäßige Angst, sich von der Bezugsperson zu trennen. Oft versuchen die betreffenden Kinder, den Kindergarten- oder Schulbesuch zu vermeiden, weinen dann wenn die Trennung bevorsteht, da sie befürchten, ihren Eltern/Bezugspersonen könnte während ihrer Abwesenheit etwas zustoßen und sie würden dauerhaft von ihnen getrennt werden. Begleitende körperliche Beschwerden in solchen Stresssituationen können beispielsweise Bauchschmerzen und Übelkeit sein. Die genannten Beschwerden lassen in der Regel nach, wenn die "Gefahr vorüber ist", beispielsweise das Kind zuhause bleiben darf oder wieder zu den Eltern zurückkehrt nach dem Kindergarten/ Schule.

Phobien:

Generell ist unter einer Phobie die Angst vor einem spezifischen Objekt oder konkreten Situation zu verstehen. Beispiele sind Angst vor Fahrstühlen, vor großer Höhe, Prüfungssituation, Tieren u.a. Die Angst tritt unmittelbar nach Begegnung mit dem Objekt / Auftreten der Situation auf, die Betreffenden versuchen meist die auslösenden Ursachen zukünftig zu vermeiden.

Soziale Phobie:

Hier befürchten die Betreffenden sich in bestimmten Situationen lächerlich zu machen oder zu versagen. Aus diesem Grunde versuchen sie solche Situationen zu vermeiden, was bei einer ausgeprägten Problematik zu einer erheblichen Einschränkung des Kindes/Jugendlichen im Alltag führt, beispielsweise wenn der Schulbesuch vermieden wird oder das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, Ladenbesuch u.ä. nicht mehr möglich ist.

Generalisierte Angsstörung:

Kinder / Jugendliche mit dieser Angststörung machen sich übermäßige oder nicht nachvollziehbare Sorgen über verschiedene Dinge und Situationen. Oft geht es um "Kleinigkeiten" wie Angst unpünktlich zu sein, sich nicht korrekt zu verhalten, jedoch auch Sorgen um das Wohlbefinden von Angehörigen u.a. Häufig wirken diese Kinder auch im Alltag allgemein angespannt, leiden unter Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule.

Ursachen für Angststörungen:

Gemäß der bisherigen Forschungsergebnisse scheinen verschiedene Faktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Angststörungen eine Rolle zu spielen. U.a. scheinen Kinder mit Angststörungen z.B. Informationen verzerrt oder fehlerhaft zu verarbeiten. Sie schätzen Gefahren höher ein, unterschätzen gleichzeitig eigene Fähigkeiten, den "Gefahren"entsprechend zu begegnen bzw. diese zu bewältigen, interpretieren mehrdeutige Informationen eher als bedrohlich, halten eine Bewältigung der Situation eher für unwahrscheinlich. Belegt ist zudem auch eine familiäre Häufung von Angststörungen. Auch weisen Studien darauf hin, dass der elterliche Erziehungsstil eine Rolle spielt.


Behandlung von Angststörungen:

Bewährt hat sich in der Therapie insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie. Sinnvoll erweist sich hierbei auch die Einbeziehung der Bezugspersonen, insbesondere dann, wenn diese auch selbst unter einer Angststörung leiden. In schweren Fällen oder bei ausbleibendem Therapieerfolg kann auch eine begleitende medikamentöse Behandlung hilfreich sein.