Dr. med. Cecilia Bonhag - Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Schizophrenie

Die Schizophrenie ist eine weltweit in etwa gleicher Häufigkeit auftretende, schwere psychische Erkrankung. Bei der Schizophrenie kommt es u.a. zu einem Verlust des Realitätsbezuges, Störung der Gefühle, des Denkens und der Sprache. Man rechnet die Schizophrenie zu den Psychosen. Die Prävalenz, d.h. die Rate der zu einem Untersuchungszeitpunkt lebenden Schizophreniepatienten beträgt in Deutschland und weltweit etwa 1%. Beide Geschlechter sind etwa gleich häufig betroffen. Bei Männern beginnt die Erkrankung meist zwischen dem 15. Lebensjahr und dem 25. Lebensjahr, bei Frauen zwischen dem 20. Lebensjahr und dem 35. Lebensjahr. Selten beginnt die Erkrankung vor dem 13. Lebensjahr, ab dem 15. Lebensjahr steigt die Neuerkrankungsrate steil an. Die Art der Krankheitserscheinungen sind sehr vielgestaltig, der Verlauf der Erkrankung unterschiedlich.

Es existieren unterschiedliche Konzepte zur Einteilung und Beschreibung der Schizophrenieerkrankungen. Nach Crow unterscheidet man beispielsweise so genannte "Positivymptome" von "Negativsymptomen" bzw. einer "Minussymptomatik". Als dritte Kategorie benennt Crow die formalen Denkstörungen. Die Krankheitssymptome können entweder akut einsetzen oder sich schleichend, im Laufe von Monaten bis Jahren entwickeln. Oft gehen der Erkrankung unspezifische Auffälligkeiten voraus. Die Symptome werden dann deutlicher im Laufe der Zeit. Oft zeigt sich zunächst ein sozialer Rückzug, eine Antriebsminderung, eine ängstliche oder misstrauische Grundstimmung gegenüber der Umwelt. Es kommt u.a. zu Gefühlsausbrüchen, dann oft zu einer so genannten Affektverflachung, d.h. Gefühlsarmut. Im Weiteren kann es auch bei Kindern und Jugendlichen zum Teil zu Halluzinationen und Wahnvorstellungen kommen.

Die genannten Symptome wie Antriebsminderung, Gefühlsarmut bzw. Affektverflachung, Verarmung der Sprache werden als "Minussymptomatik" bezeichnet. Zu den als "Positivsymptomatik" bezeichnete Krankheitszeichen zählen beispielsweise Wahn und Halluzinationen. Insbesondere die zuletzt genannten Symptome können nur vom Patienten wahrgenommen werden, können also nur erkannt werden, wenn der Betroffene davon berichtet. Von außen zu beobachten sind hingegen die beschriebene Antriebsminderung, der soziale Rückzug, teils eine veränderte Sprache des Patienten.

Typische, mögliche Symptome:

Wahn:

Hierbei handelt es sich um eine inhaltliche Denkstörung. Die Patienten sind der festen Überzeugung über einen bestimmten Sachverhalt, können hiervon nicht durch Außenstehende oder eigene Erfahrung abgebracht werden. Der Bezug zur Realität ist verloren gegangen, eine Korrektur der Sichtweise des Patienten ist nicht möglich. Der Kranke zeigt i.d.R. auch nicht das Bedürfnis, seine Wahrnehmung kritisch zu überprüfen, sein Verhalten ist dem Wahn angepasst. D.h. er wirkt z.B. ängstlich, da er sich verfolgt fühlt oder verweigert die Nahrungsaufnahme, da er befürchtet, vergiftet zu werden. Häufig sind auch Beziehungswahn bzw. Beziehungsideen. Die Patienten beziehen hierbei Ereignisse in der Umgebung auf sich, glauben beispielsweise, dass Fernsehsendungen Botschaften an sie enthalten oder messen zufälligen Begebenheiten eine übermäßige und spezielle Bedeutung für sich bei.

Halluzinationen:

Am häufigsten handelt es sich hierbei um akustische und optische Halluzinationen bzw. Sinnestäuschungen. Die Patienten haben z.B. den Eindruck, Stimmen zu hören, die ihnen entweder Befehle erteilen (imperative Stimmen) oder ihr Tun kommentieren (kommentierende Stimmen). Optische Halluzinationen sind bei Kindern oft sehr vielgestaltig.
Ich-Störung: Als Störung des Ich-Erlebens wird die Auflösung der Grenze zwischen dem "Ich" und der Außenwelt bezeichnet. Bei der Derealisation empfindet der Patient die Umwelt als fremdartig, bei der Depersonalisation erlebt er sich selbst als fremd oder verändert. Patienten haben beispielsweise das Gefühl, dass sich ihre Gedanken ausbreiten und von der Umgebung wahrgenommen werden können. Andere haben das Gefühl, dass ihnen Gedanken von außen eigegeben oder entzogen werden.

Formale Denkstörungen:

Das Denken ist oft zusammenhangslos, wirkt zerfahren, für den Gesprächspartner nicht nachvollziehbar. Durch die formale Denkstörung ist die Kommunikationsfähigkeit des Patienten oft sehr eingeschränkt. Teils kommt es zu Wortneuschöpfungen (Neologismen). Häufig kommt geordnetes und zerfahrenes Denken nebeneinander vor, Auffälligkeiten zeigen sich teilw. erst im längeren Gespräch mit dem Patienten. Das Denken und Sprechen kann auch verlangsamt sein, Patienten reagieren dann oft verzögert auf Fragen oder sprechen nur wenig und stockend.

Motorikstörungen:

Mögliche Formen der Bewegungsstörungen bei betroffenen Patienten sind u.a. eine Starre oder motorische Hyperaktivität, teils kommt es zu Haltungsstereotypien. Als Katalepsie bezeichnet man, wenn Gliedmaßen vom Patienten in eine beliebige, teils sehr unbequeme Stellung gebracht werden und der Betreffende in dieser Stelllung verharrt.

Ursachen der Erkrankung:

Bis heute sind die Entstehungsmechanismen und Ursachen der Schizophrenie nicht vollständig bekannt. Man nimmt eine Zusammenwirkung mehrere Faktoren an. Eine genetische Vorbelastung scheint einen Risikofaktor darzustellen, ein großer Teil der Betroffenen weist allerdings keine weiteren Erkrankungsfälle in der Familie/Verwandtschaft auf. Bisherige Forschungsergebnisse weisen auch auf Störungen im biochemischen Stoffwechsel des Gehirns und veränderte Gehirnstrukturen bei Erkrankten hin. Eine weitere Rolle scheinen zudem Umwelteinflüsse wie belastende Lebensereignisse und Strukturen bzw. ungünstige Kommunikationsmuster zu spielen. Dabei konnte allerdings die Beteiligung familiärer und sozialer Faktoren bezüglich der Verursachung der Erkrankung nicht belegt werden. Als gesichert gilt jedoch, dass die Art der Kommunikation in der Familie, den Verlauf der Erkrankung beeinflussen kann. Zudem gilt es zu beachten, dass die genannten familiären Beziehungs- und Kommunikationsmuster natürlich auch die Folge der Erkrankung eines Familienmitgliedes sein können.

Behandlung der Erkrankung:

Die Erkrankung kann zwischenzeitlich oft gut behandelt, jedoch nicht immer geheilt werden. In der Regel ist eine Kombination verschiedener Maßnahmen zur Therapie notwendig. So kommen eine Medikation mit sogenannten Neuroleptika bzw. Antipsychotika und Psycho- bzw. auch Soziotherapie zum Einsatz. Oft ist zu Beginn eine stationäre Behandlungsphase notwendig. Später wird das Kind/der Jugendliche ambulant weiter betreut. Wichtig ist, im Umgang mit den Betroffenen sowohl eine Unter- als auch Überforderung zu vermeiden. D.h. die Anforderungen beispielsweise in Schule und Alltag der Familie müssen auf den Patienten individuell abgestimmt werden. Der Verlauf ist auch unter der Behandlung sehr unterschiedlich.