Dr. med. Cecilia Bonhag - Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Zwangsstörungen

Man schätzt, dass entsprechend von Studienergebnissen ca. 2-4% der Kinder und Jugendlichen unter einer Zwangsstörung leiden. Dabei sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen.

Man unterscheidet im Wesentlichen das Vorkommen von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Dabei werden die Zwangsgedanken bzw. Zwangshandlungen als eigene Zwangsgedanken oder - handlungen wahrgenommen und nicht als von außen beeinflusst erlebt (im Gegensatz zur Schizophrenie). Die Patienten erleben die wiederholte Ausführung der entsprechenden Zwangshandlung als unangenehm und unsinnig, fühlen sich gequält hierdurch, sie versuchen Widerstand zu leisten, können sich jedoch nicht dagegen wehren. Auch das wiederholte Auftreten von Zwangsvorstellungen und Zwangsgedanken wird als quälend erlebt.

Je nach Ausmaß der Problematik führt die Erkrankung zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Patienten im Alltag.

Beispiele:

Typische Beispiele von Zwangshandlungen sind Waschzwänge ( die Patienten waschen sich unzählige Male die Hände oder duschen extrem lange, wiederholt am Tag), Kontrollzwänge (z.B. ob Türen verschlossen sind u.ä.), Ordnungszwänge u.a.
Die Zwangsgedanken beinhalten oft Ängste, haben obszöne oder religiöse Inhalte.

Ursachen der Zwangsstörung:

Es gibt eine Vielzahl von Hypothesen über die maßgeblichen Faktoren, die eine entsprechende Erkrankung auslösen oder aufrechterhalten. Bedeutsam scheinen genetische, lerntheoretische, psychodynamische, biologisch-hirnorganische Faktoren zu sein.

So sprechen bisherige Forschungsergebnisse für eine Mitverantwortlichkeit von erbgenetischen Faktoren. Auch Umwelteinflüsse scheinen eine Rolle zu spielen. Beispielsweise werden in manchen Fällen einer Infektion mit ß-hämolysierenden Streptokokken Zwangssymptome beobachtet. Die "Serotoninhypothese" wiederum nimmt an, dass gewisse neurochemische Vorgänge im Gehirn für die Krankheitserscheinungen verantwortlich sind. Ein psychologisches Modell stellt die Theorie auf, dass Zwangsgedanken und Zwangshandlungen Versuche des Patienten darstellen, gewisse Ängste zu vermeiden bzw. zu kontrollieren. Gestützt wird die Hypothese durch die Beobachtung, dass Patienten sich bei der Durchführung ihrer Zwangsrituale kurzfristig entlastet fühlen.

Therapie der Zwangsstörung:

Zum Einsatz kommen die kognitive Verhaltenstherapie und die tiefenpsychologisch orientierte Therapie. Im Rahmen der kognitiven Verhaltenstherapie geht es darum, dass der Patient schrittweise der für ihn angstauslösenden Situation, die normalerweise seine Zwänge auslöst, ausgesetzt wird und hierbei lernt, diese Situationen zunehmend angstfrei und erfolgreich zu bewältigen. Ergänzt wird das "Verhaltenstraining" durch eine "kognitive Umstrukturierung", d.h. der Patient soll hierdurch die Möglichkeit erhalten, seinen Zwangsvorstellungen und Zwangsgedanken eine andere Bedeutung beizumessen, um die entsprechenden auslösenden Ängste besser tolerieren zu können. Hilfreich ist das Erlernen einer Entspannungstechnik, wie autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen. Das Ziel der tiefenpsychologisch orientierten Therapie ist, den Grundkonflikt des Kindes zu bearbeiten. Daneben kann begleitend auch eine medikamentöse Therapie, vorrangig die Gabe eines SSRI (Gruppe spezieller Antidepressiva) unterstützend wirksam sein.